Die Tricks der Airlines

Trotz klarer Rechtsprechung: Wer einen Flug storniert, muss für sein Geld kämpfen. Diese Erfahrung hat auch unser Autor gemacht

 

Nach der Vorfreude kommt manchmal der Ärger: Denn wer einen bereits bezahlten Flug stornieren will, hat oft eine Menge Stress. So erging es auch dem Autor dieses Textes: Gebucht wurde ein Ticket für zwei Personen beim Online-Reisebüro ebookers für einen Hin- und Rückflug mit Emirates nach Bangkok. Kosten: knapp 1200 Euro.

Nachdem klar war, dass die Reise aus persönlichen abgesagt werden muss, folgte die nächste Ernüchterung: Laut ebookers werde das Ticket aufgrund der Geschäftsbedingungen von Emirates nicht erstattet. Einzig 250 der insgesamt 836 Euro, die als Steuern und Gebühren ausgewiesen waren, könnten zurückgezahlt werden – abzüglich einer Abgabe von 100 Euro. Allerdings dürfen weder Reisebüros noch Airlines solche Stornogebühren bei Flügen erheben. Die Verbraucherzentralen hatten deshalb gegen Air Berlin geklagt und vom Kammergericht Berlin 2014 Recht bekommen. Weil die Fluggesellschaft in Revision ging, wird der Streit am heutigen Donnerstag vor dem Bundesgerichtshof verhandelt.

„Egal wann, jeder Flug kann als Werkvertrag direkt bei der Airline storniert werden“, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Sie bezieht sich auf das BGB (§ 649), wonach Fluggesellschaften verpflichtet sind, den Betrag zu erstatten, den sie „infolge der Aufhebung des Vertrags“ einsparen. „Weil Steuern und Gebühren nur anfallen, wenn man fliegt, müssen sie bei Stornierungen komplett erstattet werden.“ Zudem müssten Fluggesellschaften oft auch einen Großteil des Ticketpreises zurückzahlen. Ein Urteil des Frankfurter Landgerichts aus 2014 stärkt die Verbraucher: Wenn die Airline demnach nicht exakt nachweist, was sie eingespart hat, muss sie 95 Prozent des Gesamtpreises erstatten.

Nachfrage bei Emirates, nach langer Wartezeit am Telefon: eine freundliche Dame aus dem Callcenter in Budapest:

„Tut mit leid, aber das ist keine original Emirates-Buchung.“

„Aber Sie sind im Werkvertrag mein Vertragspartner.“

„Eine Buchung über eine dritte Partei funktioniert anders.“

„Wie denn?“

„Das kann ich nicht sagen.“

„Aber was wird mir bei einer Stornierung denn nun erstattet?“

„Ich habe Ihre Buchung angeschaut, das Ticket ist nicht stornierbar. Also werden Sie leider nichts zurückerhalten.“

Die Verbraucherschützerin Fischer-Volk kennt solche Gespräche. „Die meisten Airlines blocken ab, weil sie das Geld behalten wollen.“ Der Berliner Fachanwalt für Reiserecht Jan Bartholl erkennt dahinter gar ein System: „Es gibt sehr viele solcher Fälle, das ist für die Fluggesellschaften ein ertragreiches Geschäft.“ Eine Anfrage dazu bei der Pressestelle von Emirates blieb bisher unbeantwortet. Es folgten weitere Gespräche mit dem Callcenter, stets nach dem gleichen Muster. Einmal hieß es etwa: Eine Erstattung von 250 Euro Steuern sei möglich. Und der Rest? „Weil das Ticket nicht stornierbar ist, kann die Kerosingebühr nicht erstattet werden.“

Reiseanwalt Jan Bartholl hält das für „rechtswidrig“ Doch was kann man tun, wenn die Airline mauert? Fischer-Volk rät, mit einem Musterbrief der Verbraucherzentrale 95 Prozent des Gesamtpreises zu fordern. Zudem könne die „Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr“ in Berlin vermitteln. Zur Not bleibt aber nur die gerichtliche Auseinandersetzung. „Wegen des geringen Streitwerts ist es schwierig, einen Anwalt zu finden“, sagt Bartholl. „Das wissen die Airlines.“ Und sie wissen auch, dass viele das Risiko scheuen, trotz bester Erfolgsaussichten vor Gericht zu verlieren.

Fortsetzung folgt.

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