Danke, refugees!

KOMMENTAR VON TIMO REUTER ZUR STEIGENDEN ZAHL DER WOHNUNGSLOSEN 

 

Der Platz am Rande der Gesellschaft wird nicht größer – aber immer mehr Menschen drängen sich dort. In Deutschland steigt die Zahl der Wohnungslosen seit vielen Jahren an, derzeit verfügen 335.000 Personen laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) über keinen mietvertraglich abgesicherten Wohnraum. 39.000 von ihnen schlafen als Obdachlose auf der Straße. Dazu kommen hunderttausende Flüchtlinge in die Bundesrepublik. Auch sie brauchen eine Wohnung.

Das verschärft die bereits bestehende Konkurrenz um preiswerten Wohnraum. Doch dafür können die Flüchtlinge nichts. Sie machen lediglich auf bereits bestehende Missstände aufmerksam, die die Politik jahrelang erfolgreich verdrängt hat. Das sind zunächst die gravierenden Folgen einer verfehlten Wohnungspolitik. Gab es zu Zeiten der Wiedervereinigung noch vier Millionen Sozialwohnungen, sind es inzwischen weniger als anderthalb Millionen. Jahrzehnte lang glaubte die neoliberale Politik, am Markt würden schon genügend billige Wohnungen nach unten durchsickern. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade in Ballungszentren werden Luxuswohnungen gebaut, Büros stehen leer, die Mieten steigen, billiger Wohnraum hingegen ist knapp.

Neben der Wohnungsnot macht die BAGW vor allem die „zunehmende Armut“ für den massiven Anstieg der Wohnungslosigkeit verantwortlich. In Deutschland gab es im letzten Jahr 12,5 Millionen Arme – ein vorläufiger Höchststand. Dies ist die Folge einer verfehlten Steuerpolitik sowie der rot-grünen Arbeitsmarktreform, die dazu geführt hat, dass immer mehr Menschen prekär beschäftigt sind – und sich so kaum eine Wohnung leisten können.  Bisher wurden diese Probleme aber besonders von der Bundespolitik weitgehend ignoriert. Noch immer verweigert sich die Regierung einer offizielle Wohnungslosenstatistik – und erzählt stattdessen von den „individuellen Problemlagen“, die zum Wohnungsverlust führten.

Dass besonders die Wohnungsnot nun noch offener zutage tritt, ist auch eine Folge der hohen Zahl an Geflüchteten. Dafür sollten wir ihnen danken! Denn die derzeitige Situation ist nicht nur eine historische Chance, unsere Gesellschaft neu zu denken, sondern auch, bestehende Fehler zu korrigieren. Und davon profitiert am Ende die gesamte Gesellschaft.

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