Die Feinde der Freiheit

Kommentar von Timo Reuter zum Terroranschlag in Paris

Noch immer steht Frankreich, ja ganz Europa, ob des fürchterlichen Terroranschlages von Paris unter Schock. Der Angriff auf die Redaktionsräume des Satriremagazins „Charlie Hebdo“, bei dem am Mittwoch zwölf Menschen getötet wurden, ist eine feige Bluttat und zudem ein Angriff auf einen der zentralen Werte unserer Demokratie: die Meinungsfreiheit.

Kurz nach dem Attentat wurde bekannt, wer die mutmaßlichen Täter sind: zwei radikale Islamisten. Auf diese Nachricht scheinen islamfeindliche Kreise in Deutschland und anderswo geradezu gewartet zu haben. Die Pegida-Bewegung instrumentalisiert – so wie Teile der AfD – den schrecklichen Terror nun für ihre Hetze gegen Muslime und das angeblich Fremde.

Doch das ist Leichenfledderei – und gefährliche Scharfmacherei. Denn was hat der Pariser Terror mit den hier lebenden Muslimen zu tun? Nichts. Schließlich sind auch nicht alle Deutschen ob ihrer Vergangenheit oder des schrecklichen NSU-Terrors rechtsradikal. Es ist doch vielmehr so: Idioten, Radikale und Terroristen gibt es überall. Ihren Hass aber zu verallgemeinern relativiert ihn nicht nur, sondern ist auch der Nährboden für weiteren Extremismus und neue Ausgrenzung.

Die am Donnerstag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung sollte uns allen zu denken geben. Demnach fühlen sich 57 Prozent (!) der in Deutschland lebenden nicht-muslimischen Bürger vom Islam bedroht – während sich die überwältigende Mehrheit der hier lebenden Muslime mit dem deutschen Staat verbunden fühlt.

Diese gefährliche Islamophobie wird durch die Attentäter von Paris noch befeuert, indem sie alle friedlichen Muslime in Geiselhaft nehmen. Es ist das perfide Kalkül der Extremisten, sie wollen die Spirale des Hasses weiterdrehen. Doch darauf lässt sich nur mit Offenheit und Toleranz begegnen – und nicht mit neuem Hass. Denn dieser gefährdet das friedliche Miteinander und unsere Freiheit insgesamt. Deshalb sollte gelten, was Charlie Hebdo bereits vor über drei Jahren titelte: „Die Liebe ist stärker als der Hass.“

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