Warten

Wer wartet, der lebt. Denn das Warten eröffnet Räume für Kontemplation und Spontaneität. Warten ist insofern eine Kunst – oder schafft zumindest die Möglichkeit dazu.

Doch was heißt es, richtig zu warten? Es meint nicht so sehr das Abwarten oder das Erwarten. Als Tugend ist warten die Geduld – und damit die Hoffnung. Doch warten im eigentlichen Sinne meint mehr, als diese religiös angehauchte Genügsamkeit. Warten kann ein soziales Ereignis sein.

Oder ein asoziales. Denn das gepflegte Warten steht im Gegensatz zu den Versprechen unserer Zeit. Noch schnellere Züge mit noch besserer Internetverbindung sollen uns noch komfortabler von A nach B bringen. Keine verlorene Zeit, kein unnützes Warten. Zwar sieht die Realität anders aus, doch führt dies keineswegs zu einer Kultivierung des Wartens, sondern zu ihrem Gegenteil: Warten gilt als anachronistisch. Wer wartet, der verliert. Und mit jeder technischen Neuerung soll uns ein Stück der verlorenen Zeit wiedergegeben werden.

Dabei sind es genau diese Leerstellen, in denen mit dem Immergleichen gebrochen werden kann. (Weil sie unser Leben spannend machen – oder es entschleunigen.) Deshalb ist warten revolutionär. Wir sollten jetzt mit dieser Revolution beginnen – und nicht zu lange damit warten.

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