Es ist Satire!

„Who wants to fuck my girlffriend?“: Nein, Sexismus ist kein Spaß. Und Satire darf auch nicht alles. Aber fast. Doch nicht alle verstehen das. Sie verwechseln satirische Entlarvung mit sexistischer Kotzkacke.

 

Die neuen Show von Christian Ulmen „Who wants to fuck my girlfriend?“ hat einen Aufschrei erzeugt. „Sexistischer Müll“ oder „Beihilfe zur Zwangsprostitution“ hieß es in den sozialen Netzwerken. Auch eine Freundin schrieb eine aufgeregte Mail, in der sie zu einer Petition gegen Ulmens Sendung verlinkte: „Es lohnt sich mal wieder zu unterschreiben, dass der Schwachsinn ein Ende nimmt.“

Wirklich? Ist die Sendung tatsächlich „sexistische Kotzkacke“ und frauenverachtend? Die Beschreibung mutet zunächst genauso an: „Zwei vergebene, erfolgreiche Männer treten in der Show gegeneinander an. Jeder wettet: ‘Meine Freundin ist die Geilste – und: Alle Männer dieser Welt möchten mit ihr schlafen.’ In vier Spieldisziplinen schicken die Männer ihre Freundinnen zum Punktesammeln: Ins Café, ins Bordell oder sogar auf den Straßenstrich.“ Soweit, so eklig.

Doch der Aufschrei war umsonst. Das hätte man bereits vor der ersten Sendung merken können, denn die Beschreibung geht wie folgt weiter: „Derjenige, dessen Freundin die meisten eindeutigen Angebote bekommt, gewinnt – und zwar einen Kranz, auf dem ‘Everybody wants to fuck my girlfriend‘ steht”. Damit ist eigentlich schon viel gesagt über die Sendung, die am Valentinstag ihr Debüt feierte.

„Who wants to fuck my girlfriend?“ zielt nicht auf die Herabwürdigung von Frauen zu bloßen Sexobjekten. Das mag die Oberfläche sein, die Aufmachung, die diesen Aufschrei erzeugte, das Klischee, mit dem die Sendung spielt. Doch dies war bloß ein Werbegag – und die #-Gemeinde hat brav mitgespielt. Ein Segen im Übrigen für den kleinen Sender Tele5, der das Format ausstrahlt. Ansonsten steckt dahinter neben einigen Blödeleien, die man mehr oder weniger lustig finden kann, eine gute Portion Satire, die das deutsche Trash-TV entlarft – oder dies zumindest versucht. Doch das können oder wollen viele Internet-Trolls und andere AktivistInnen ohne Sinn für Travestie und Persiflage nicht verstehen.

Jedenfalls ist „Who wants to fuck my girlfriend?“ eine Satire auf den Sexismus und nicht sexistisch. Und falls doch, dann gegen Männer. Denn wenn jemand in dieser Sendung bloßgestellt wird, dann sind es eher die ganzen und halben Kerle, die Nerds, Angeber, Spießer und Testosteronopfer dieser Welt. Und das oft zurecht.

Zunächst einmal „entlarvt die Sendung die Stupidität männlicher Sexualität“, wie Ulmen sagt. Oder zumindest wird diese auf die Spitze getrieben und so karikiert. Männer sabbern vor schüchterner Lust, ihnen fallen die Augen beim Gaffen fast aus dem Gesicht – ganz nach dem Motto: „Ich bin nun mal ein einfach gestrickter Mann.“ Dann sind da die „Boyfriends“, besten Freunde oder Ehemänner der Kandidatinnen. Diese sind „ihren“ Frauen oft in Ausstrahlung, Intellekt und Gewitztheit weit unterlegen, dürfen diesen beim Spielen bloß zuschauen und diskreditieren sich meist sowieso selbst.

Den Rest gibt der Macher und Moderator Christian Ulmen alias Uwe Wöllner hinzu. Er ist der eigentliche Star und zugleich Depp der Sendung, der Computernerd, dem in der Schule immer die Schnürsenkel zusammengebunden wurden. Wer Uwe lustig findet, für den sind alle seine Bewegungen, jedes Wort, das er lispelt und alle Tänze, die er aufführt, ein Fest. Gegen ihn kann niemand in der Sendung ankommen – was Stärke und Schwäche des Formats zugleich ist. Und auch Uwe ist eine Persiflage auf einen bestimmten Typ von Mann. Zumal: „In diesem Trottel steckt ein jedermann“, wie sein „Entdecker und Coach“ Gero Schorch feststellt.

Außerdem lassen die Macher der Sendung bei „Who wants to fuck my lesbian girlfriend“ auch Frauen dieses angeblich männliche Sexualverhalten und das mutmaßliche Testosteron-Gehabe ausleben. Das ist die wiederum satirische Antwort auf die Kritik an der nicht als solchen verstandenen Satire. An anderer Stelle antwortet ein Mann auf ein eindeutiges Angebot: „Ich bin eher für was Festes.“ Huch!

Dieses Spiel mit den Klischees kann man blöd finden. Satire aber darf das, sie stellt die Objekte ihrer Betrachtung in überspitzter Form dar. Frauenverachtend ist es jedenfalls nicht. Denn die kommen nicht nur freiwillig in die Sendung, sondern bewegen sich dort meist gekonnt im Spiel zwischen Peinlichkeit und Fremdscham – die sich oft auf die von ihnen an der Nase herumgeführten Männern bezieht. Die Mächtigen in diesem Spiel mit den Vorurteilen sind also eher die Frauen, indem sie sich das auf die Spitze getriebene Klischee zu eigen machen und damit jonglieren: Die Frauen sind aktiv, spielen und reißen auf (eigentlich „typisch männlich“), sie sind es, die sich trauen. Es wäre wohl eher frauenverachtend, den Kandidatinnen den Spaß an diesem Spiel abzusprechen oder ausreden zu wollen.

„Who wants to fuck girlfriend“ ist also nicht frauenverachtend. Im Gegenteil: Die Sendung persifliert frauenverachtendes Verhalten. Daran ändert auch der Fakt nichts, dass manche oder viele das nicht verstehen können oder wollen. Satire ist eben subtiler.

Einen Vorwurf muss sich das Format aus einer kritischen Genderperspektive dennoch gefallen lassen: „Who wants to fuck girlfriend“ entlarvt mithilfe des Klischees der Frau als Sexobjekt die angeblich männliche Sexualität und stellt sie bloß. Damit wird diese Dichotomie der Geschlechter in gewisser – immerhin dem klassischen Machtgefälle entgegengesetzter – Weise verstetigt und nicht aufgelöst. Zumindest nicht unmittelbar. Doch das ist auch nicht die Intention dieser satirischen Sendung. Sie will die Menschen zum Lachen bringen – und zum nachdenken.

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