Blockupy kurbelt die Wirtschaft an

Eine Unternehmensberatung bietet Banken Schutz vor den Blockupy-Demonstranten.

Es ist keine neue, aber eine ebenso kluge wie perfide Idee: Aus den Protesten gegen den Kapitalismus Kapital zu schlagen. Das funktioniert mit Guevara-Shirts ebenso wie mit dem Verkauf von Bier und Würstchen am Rande von Demonstrationen.

Eine solche Geschäftsidee hat auch die Unternehmensberatung ACG – nur dass die Frankfurter keine Würstchen verkaufen, sondern Tipps für das „Business Continuity Management“. Dieses Prinzip kommt ursprünglich aus dem militärischen Bereich, für die „zivile Nutzung“ bedeutet es: The show must go on – das Unterbrechen von Abläufen kann ein Unternehmen nämlich teuer zu stehen kommen. Dagegen will ACG die betroffenen Firmen schützen, indem sie diese auf den Notfall – wenn Aktivisten Eingangstüren oder Zufahrtswege blockieren – vorbereitet.

Das Angebot richtet sich in diesem Fall vor allem an Frankfurter Finanzdienstleister, die auch in diesem Jahr während der Blockupy-Proteste wieder das Ziel von Blockaden sein könnten. Bereits im letzten Mai befand sich Frankfurt im Ausnahmezustand. Wobei es nicht die kapitalismuskritischen Aktivisten waren, die die Innenstadt der Bankenmetropole vier Tage lang lahmlegten, sondern die von den Behörden beauftragte Polizei: U-Bahnhöfe und Kindergärten wurden geschlossen, Hochzeiten aus der Stadt ins Umland verlegt. Die Uni machte dicht und ein Großaufgebot der Polizei sperrte das Bankenviertel großräumig ab. In weiser Voraussicht räumte die Commerzbank ihre beiden Hochhäuser und die Europäische Zentral Bank quartierte ihre wichtigsten Mitarbeiter in Geheimbüros aus.

Damit die Banken und Unternehmen in der Innenstadt der Mainmetropole in diesem Jahr noch besser auf ein solches Szenario vorbereitet sind, wirbt ACG auf ihrer Website für eine frühzeitige Vorsorge: „Am 31. Mai und 1. Juni 2013 kommt Blockupy wieder nach Frankfurt, um mit Protesten auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Zeit, für die Business Continuity Manager, sich hierauf vorzubereiten. Sprechen Sie uns an.“

Obwohl die Resonanz auf dieses Angebot bisher eher gering sei, wie Matthias Hämmerle, Leiter des „Business Continuity Management“, berichtet, sollten die betroffenen Banken laut ACG schnellstmöglich handeln: „Rechtzeitig sollten jetzt Begehungen, Tests und Übungen terminiert werden, denn sonst wird die Zeit eng bis zum kommenden Mai.“ Man stelle sich das vor: Kleine und große Fonds-Manager in Anzügen trainieren für den „Ernstfall“, sie durchbrechen Protestketten oder versuchen, inkognito zu ihren Geheimbüros zu gelangen. Das könnte durchaus für einige Verwirrung sorgen in Frankfurt. Ob dazu auch „echte“ Aktivisten zu Testzwecken eingekauft werden sollen? Hämmerle verneint: „Soweit geht das in der Regel nicht.“

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