Kein guter Tag

Kommentar zur Übernahme der Frankfurter Rundschau durch die FAZ.

Der Deal ist perfekt: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) übernimmt die insolvente Frankfurter Rundschau (FR). Dadurch entsteht am Main ein Monopol, die drei großen Zeitungen (FAZ, FNP, FR) werden künftig unter einem Dach produziert.

Am Donnerstag, dem letzten Tag vor der Übernahme, titelte die FR: „Amen“. Gemeint war der Abschied des Papstes, doch die Doppeldeutigkeit war nicht zu übersehen: Auch die FR verschwindet – zumindest so, wie man sie kennt. Zwar hat die Zeitung schon seit Jahren mit Problemen zu kämpfen: Die Auflagen sanken, die Bedeutung der einst wichtigsten linksliberalen Stimme der Republik nahm stetig ab.

Doch die Übernahme durch die FAZ bedeutet den wohl entscheidensten Einschnitt in der 67-jährigen Geschichte der FR. Von nun an wird eine Rumpfredaktion mit 28 Mitarbeitern den Betrieb führen – unterstützt durch etliche Leiharbeiter. Für die FAZ mag dies wirtschaftlich sinnvoll sein. Doch obwohl die FR ohne die FAZ vom Markt verschwunden wäre, ist dies ein schlechter Tag, nicht nur für über 90 Prozent der FR-Mitarbeiter, die ihren Job verlieren.

Es ist auch ein schlechter Tag für die Leser und die Anzeigenkunden der FR, vor allem in Rhein-Main. Erstere müssen hoffen, das die Unabhängigkeit der FR erhalten bleibt, ob dies für die Qualität gilt, darf bezweifelt werden. Und durch das Monopol haben auch Anzeigenkunden künftig eine schlechtere Verhandlungsposition.

Es ist außerdem ein schlechter Tag für die deutsche Presselandschaft. Die Demokratie wird dadurch zwar nicht untergehen, aber das Signal ist klar: Der Krise des Printjournalismus wird mit massivem Sparen begegnet, nicht nur bei der FR. Das ist fatal, denn: Qualität hat ihren Preis.

Deshalb muss sich jeder Einzelne fragen, was ihm oder ihr unabhängige Zeitungen und die Meinungsvielfalt wert sind. Und im Sinne der Dialektik müssen sich auch die Verlage fragen, ob sie Zeitungen durch ständige Sparrunden für die Leser wirklich attraktiver machen.

 

Kommentar von Timo Reuter

 

Mehr Infos zur Frankfurter Rundschau: hier und hier

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